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DFG-Projekt: Erschließung und digitale Erfassung des Gerlach-Archivs

Projektpersonal:
Prof. Dr. Clemens Kauffmann, Dr. Helmut Klumpjan i.R., Alexander Kruska, M.A.

Kooperationspartner:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Staatsbibliothek zu Berlin

Projektlaufzeit:
Mai 2011 – April 2014

Im Rahmen des zunächst auf drei Jahre angelegten Projekts sollen die Bestände des Gerlach-Archivs vollständig neu erschlossen, dem aktuellen Stand der EDV entsprechend katalogisiert und in der Verbunddatenbank für Nachlässe und Autographen “Kalliope” online nachgewiesen werden.

Das Gerlach-Archiv enthält den Nachlass des Kammergerichtspräsidenten Ernst Ludwig von Gerlach (1795 – 1877) in einem Umfang von ca. 20.000 Unterlagen (einschließlich verschiedener Nebenarchive). Kern des Archivs sind Korrespondenzen der führenden dem Konservatismus zuzurechnenden Familie von Gerlach aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit zahlreichen herausragenden Persönlichkeiten der politischen Geschichte Preußens, der Kirchen-, Rechts- und Wissenschaftsgeschichte sowie der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte. Das Gerlach-Archiv gehört zu den größten der relativ selten geschlossen und weitgehend vollständig erhaltenen Familienarchive des 19. Jahrhunderts, das bedeutende Dokumente zu allen großen Fragen der Zeit mit ihren gravierenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen enthält und auch Einblicke in die soziokulturellen Hintergründe des Alltags- und Familienlebens erlaubt. Es handelt sich hierbei um einen singulären Bestand von historisch bedeutsamer Provenienz, dem für die Forschung besondere Bedeutung zukommt.

Ernst Ludwig von Gerlach war einer der führenden Theoretiker und Praktiker eines altständisch-pietistisch geprägten politischen Konservatismus. Er fungierte an entscheidender Stelle als Mitbegründer der konservativen Parteiorganisation in Preußen sowie der “Neuen Preußischen Zeitung”, die unter dem Namen “Kreuzzeitung” bis 1933 das meinungsführende Blatt des konservativen Spektrums bleiben sollte. Bismarck, der 1848 noch zum Gefolge des hochkonservativen Gerlach gehört hatte, entwickelte sich mit seiner Wende hin zu den Kleindeutsch-Nationalliberalen zunehmend zu seinem Gegner, was schließlich in den Aufsehen erregenden beiderseitigen Invektiven der 1870er Jahre gipfelte. Der Nachlass dokumentiert den unmittelbar politischen Niederschlag antiker, klassisch-naturrechtlicher, “alteuropäischer” politischer Ideen und eines hieran orientierten Politikverständnisses in der politischen Praxis des 19. Jahrhunderts. Er umfasst reichhaltige Materialien zur politischen Geschichte Preußens, zur Theologie und Kirchengeschichte (Neupietismus), zur Rechtsgeschichte sowie – dank der Freundschaften der Gebrüder mit namhaften Gelehrten der Zeit und mit bekannten Künstlern der Romantik – zur deutschen Wissenschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Die Bestände des Gerlach-Archivs stellen somit einen forschungsrelevanten Nachlass von erstrangiger Bedeutung weit über die Grenzen der historischen Fachwissenschaft hinaus dar. Der bisherige Erschließungsstand des Archivs ist einer systematischen wissenschaftlichen Bearbeitung und Auswertung der Materialien jedoch wenig dienlich. Das Ziel des Projekts ist deshalb die vollständige formale Erschließung und die Erstellung eines EDV-gestützten Nachlassverzeichnisses des Gerlach-Archivs und seiner Nebenarchive. Die Nachweise werden in den Kalliope-Verbundkatalog eingebracht, dort verwaltet und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.